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Ein „hohes Maß an rechtsextremen Einstellungen bei AfD-Wählern“ – dieses Ergebnis aus einer jetzt veröffentlichten, repräsentativen Studie der Universität Leipzig zur politischen Einstellung von 18 bis 91-Jährigen überrascht nicht wirklich. Spannend wird es, wenn man sich die aus der Befragung abgeleiteten Ergebnisse ansieht. Die meisten AfD-Wähler positionieren sich mit ihrer Entscheidung klar für Antisemitismus sowie für ein diktatorisches System und damit gegen die demokratischen Grundsätze. Darüber hinaus glaubt ein Drittel dieser Wählergruppe „an Verschwörungstheorien und geheime Organisationen, die hinter politischen und sozialen Ereignissen in der Welt stecken“. 

Aber wie kommt es überhaupt zu einer Einstellung, unter deren Deckmantel antisemitische Äußerungen vermeintlich ‚salonfähig’ werden? Die Sozialpsychologie bietet Erklärungsansätze. Allen voran steht hier ein Wort: Vorurteil. Also negative Gefühle, die sich z.B. als Rassismus, Sexismus oder einfach als unbestimmte Antipathie einer bestimmten Gruppe gegenüber äußern. Die Voraussetzung dazu trägt jeder von uns in sich. Wir weisen uns selbst unbewusst oder bewusst einen Platz in einer bestimmten Gruppe zu. Das fängt ganz grundlegend mit einem Gefühl der Identität an: „Ich bin eine Frau“, „Ich bin über 30“ oder auch „Ich bin Deutscher“.  Automatisch passiert es, dass wir unseren eigenen Kategorien ein positiveres Bild zuordnen als anderen. Mit anderen Worten: Wir stellen soziale Identität und damit häufig auch unser Selbstwertgefühl her, indem wir uns zu einer Gruppe zugehörig fühlen, während wir uns von einer anderen abgrenzen. 

Wie helfen uns diese Überlegungen dabei, Vorurteile abzubauen und unbefangener auf andere zu reagieren? Ich selbst habe nicht zuletzt das entsetzlich menschenverachtende Ereignis in Hanau zum Anlass genommen, mich zu hinterfragen. Ich nehme jedes einzelne Vorurteil, das mir durch den Kopf geht, unter die Lupe und bearbeite es. Zu welcher Gruppe fühle ich mich zugehörig und was nützt mir diese Abgrenzung? Welche Vorurteile habe ich gegen wen. Bin ich wirklich frei davon, Menschen aus anderen Gruppen zu verurteilen? 

Auf das ein oder andere Vorurteil bin ich dabei gestoßen, und ich bin nicht stolz darauf. Was ich jetzt mit dieser Erkenntnis mache? Ich habe mich entschieden, bei mir selbst anzufangen, mir meiner selbst bewusster zu sein, unabhängig von Gruppen und Zugehörigkeiten, und einfach offener durch die Welt gehen. Das ist zumindest ein Anfang.