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Als Coach, die vorrangig im Executive Bereich arbeitet, habe ich häufig mit Menschen zu tun, die im Allgemeinen als sogenannte Narzissten durchgehen. Ein schwieriger Persönlichkeitsstil, möchte man meinen, nicht erst seit Trump & Co. Dennoch oder gerade deswegen möchte ich hier eine Lanze für Narzissten im „nicht negativ pointierten Bereich“ brechen, kommt es doch vor allem auf eines an: die Stärke der Ausprägung. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass in der wissenschaftlichen Psychologie seltene Einigkeit darüber herrscht, Persönlichkeitseigenschaften nicht in Schubladen zu verpacken, sondern diese als Kontinuum zu betrachten. Mit anderen Worten: Menschen lassen sich nicht typisieren.

Energievampire schaden sich selbst und anderen

So gibt es auch beim Narzissten unterschiedlich stark ausgeprägte Varianten – von leicht bis mittelstark mit eher positiven Eigenschaften verbunden. Alles, was darüber liegt, mit negativen. Das Modell von Rainer Sachse weist das sogenannte doppelte Selbstkonzept auf, mit dem die psychologische Komponenten der Persönlichkeitsstörung erklärt werden. Doppelt, weil es dem Narzissten (übrigens m/w/d – alles ist vertreten, auch wenn es aus meiner Erfahrung heraus mehr männliche gibt) auf der einen Seite ein starkes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zuordnet, er aber auf der anderen Seite große Zweifel an der eigenen Kompetenz hat. Beide Gefühle hemmen sich gegenseitig. Die Angst, nicht gut genug zu sein, führt dazu, sich selbst zu hohen Belastungen auszusetzen oder andere, meist Mitarbeiter oder Kollegen, auszubeuten. Kurz: Der negativ pointierte Narzisst wird zum Energievampir, sich selbst und anderen gegenüber. 

Mit Bodenhaftung zum beruflichen Aufstieg

Die Ausprägung ist unterschiedlich aktiv. Mit dem Narzissten, wie er häufig öffentlich und klischeehaft betrachtet wird, ist in der Regel derjenige gemeint, der die deutlich ausgeprägte negative Variante aufweist. Überwiegt die leichte bis mittelstarke Ausprägung, zeigen sich die positiven Eigenschaften eher und kleine Selbstzweifel, die wie eine zweite Tonspur im Hintergrund mitlaufen, sorgen für die Bodenhaftung. Dadurch ist die Person in der Lage, sich aus der eigenen Komfortzone zu bewegen, Neues zu wagen, voran zu gehen und gleichzeitig auch Selbstkritik zu üben. Letzteres hilft dabei, den den Bogen nicht zu überspannen und sich nicht in riskante oder überfordernde Situationen zu bringen. Eine gute Kombination, weil sie durchaus förderlich für den beruflichen Aufstieg sein kann.

Eine großartige Ressource

Grundsätzlich sind narzisstische Persönlichkeiten immer auf der Suche nach Anerkennung. Und weil sie alles tun, um sie zu bekommen, sind sie leistungsorientierter, risikobereiter und ausdauernder als andere. Eigenschaften, die in unserer Gesellschaft Grundpfeiler des Erfolges sind – vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich es wirklich liebe, mit diesen Menschen zu arbeiten. In meiner Tätigkeit unterstütze ich viele narzisstische Personen darin, sich zu verstehen und zu akzeptieren. Ich arbeite die individuellen Annahmen heraus, die zu der zu starken Ausprägung der Persönlichkeit führen, reduziere bzw. löse sie auf und bringe damit den Narzissten dazu, seinen Persönlichkeitsstil als großartige Ressource zu nutzen.